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Grünen-Ortssprecherin Inge Kämpfl begrüßte Andreas Herden, Hans Kern, Hedwig Witzleben, Walter Wimmer und Referent Alfons Schmuck.

Zu einem nachdenklich-fröhlichen politischen Frühschoppen am Baiuvarenhaus begrüßte Grünen-Ortssprecherin Inge Kämpfl (links) den Bundestagskandidaten Andreas Herden (stehend von rechts), Hans Kern, Hedwig Witzleben, Walter Wimmer und Referent Alfons Schmuck (2. v. links).

„Liberalitas bavariae ist grün“

Politischer Frühschoppen mit Andreas Herden am Baiuvarenhaus

Mit Zitaten von Bruno Jonas über die Bayern hatte Bundestagskandidat Andreas Herden beim politischen Frühschoppen der Waginger Grünen die Lacher auf seiner Seite. „Rübergekommene, Heruntergekommene, zurückgebliebene Fußkranke. Kurz gesagt: Der Bayer war entstanden.“

Der Ortsverband der Grünen hatte im mit Sonnenblumen geschmückte Ambiente des Baiuvarenhauses zu einem stimmungsvollen politischen Frühschoppen eingeladen. Bei Bio-Würstchen und Gebäck vom Bauernmarkt wurde eifrig philosophiert und politisiert. Dabei ging es um die bunt gemischten bayerischen Stämme, die vielzitierte liberalitas bavariae, das gefährdete europäische Friedensprojekt und die, nach Ansicht der Besucher, rückwärtsgewandte Politik der bayerischen Staatsregierung.

Zunächst aber hatte Alfons Schmuck, der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins in einem launigen Vortrag über die Entwicklung der Bayern die Aufmerksamkeit der Zuhörer für sich. Vielfältige Einflüsse hätten die heutige Gesellschaft geschaffen, sicher nicht zu ihrem Nachteil. Und zu den drei Stämmen sei dann in der Nachkriegszeit die Bereicherung durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene gekommen – dem „vierten Stamm“. Dann schlug Schmuck den Bogen zur heutigen Flüchtlingssituation.  Vielleicht werde man in einigen Jahrzehnten von einem fünften Stamm sprechen. Eindringlich schilderte Schmuck anschließend den Einsatz für das Baiuvarenmuseum, ein besonderes Alleinstellungsmerkmal Wagings. Entstanden seien die Bemühungen darum rein zufällig durch spektakuläre Funde bei einer geplanten Friedhofserweiterung. Lange umstritten, werde das seit Jahren geschlossene Museum nach großartiger Unterstützung durch die Ludwig-Maximilian-Universität München hoffentlich bald neu eröffnet.

Mit dem Bruno-Jonas-Zitat nahm Bundestagskandidat Andreas Herden den Ball auf und suchte weitere Annäherungen an die bayerische Eigenart und Besonderheit. Er zitierte Roman Herzog, den im Januar verstorbenen Bundespräsidenten a.D., der Bayern charakterisierte als Land in dem „Technikbegeisterung und Tradition, Innovationsfreude und Bodenständigkeit keine unüberbrückbaren Gegensätze“ seien. Mit der Aussage „Wäre ich nicht selbst Bayer, würde ich sagen: Hier sind Laptop und Lederhose eine Symbiose eingegangen“ prägte Herzog 1998 ein Wortpaar, das die CSU fortan gerne benutzte – nicht um die Eigenart Bayerns zu beschreiben, sondern um ihre Verdienste herauszustreichen. Mit dem „Laptop und Lederhose“-Plakat ging sie 2004 in den Europa-Wahlkampf. Herden kritisierte die plumpe Ineinssetzung von Bayern, bayerischer Staatsregierung und CSU, die besonders in Berlin und in den anderen Bundesländern Deutschlands sehr kritisch gesehen werde: „Die Forderung des Ministerpräsidenten Horst Seehofer ,Bayern zuerst‘ zeigt wie problematisch es ist, dass Bayern als einziges Bundesland im Bundestag mit einer Länderpartei vertreten ist, die zuerst die Interessen Bayerns und erst dann die der Bundesrepublik Deutschland verfolgt.“

Wenn Bayern sich auf ihre bayrische Seele berufen mit den Worten „Mia san mia“, dann müssten sie im gleichen Atemzug auch respektvoll anerkennen, dass andere eben anders sind. Die Bescheidenheit, die den Bayern dabei nach Ansicht von Herden gut zu Gesicht stünde, vermisse er vollends, wenn er nach Brüssel blicke. Dort betreibe Bayern in direkter Nachbarschaft zum EU-Parlament eine feudale Ländervertretung. Das Schloss mit dem es umgebenden Park stehe den bayerischen Königsschlössern in nichts nach.

„Bayerische Identität in einem Europa der Regionen ist wichtig“, erklärte Herden und rief zugleich dazu auf, sich vordringlich Gedanken um eine europäische Identität zu machen. Europa funktioniere nicht ohne ein Bewusstsein der Zugehörigkeit. Die Europäische Gemeinschaft als Friedensprojekt brauche einen Mythos, eine Erzählung, die den Bürgerinnen und Bürgern eine europäische Identität stiften könne. Herden zitierte aus der aktuellen Ausgabe von „Le Monde diplomatique“ einen Artikel des französischen Autors Régis Debray: „Der Mythos Europa reduziert sich auf den freien Warenaustausch. Was fehlt, ist der Austausch von Ideen, die gemeinsame Sprache, geteilte Erinnerungen und Legenden.“

Herden stellte zur Diskussion, ob Maria als „patrona bavariae“ zur Identitätsfindung Bayerns in Europa beitragen könne – immerhin finde sich der Kranz von 12 Sternen aus der Offenbarung des Johannes (Kap. 12. Vers 1) sowohl auf der Fahne der EU als auch auf vielen Marienbildern. Eine aus Frankreich stammende Zuhörerin lehnte dies unter Verwies auf den Laizismus Frankreichs ab und rief dazu auf, die Bedeutung Europas für den Frieden zu betonen.

Eine junge Teilnehmerin hatte positive Erfahrungen mit dem Erasmus-Programm gemacht; sie erklärte, dass man den Geist Europas nicht aus Büchern lernen könne, sondern am besten durch Begegnungen mit anderen Europäern.

Herden erinnerte an die hohe Jugend-Arbeitslosigkeit in Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und warb dafür, dass deutsche Firmen Ausbildungsplätze europaweit ausschreiben. Die Diakonie mache sehr gute Erfahrungen mit spanischen und griechischen Erzieherinnen und Pflegekräften.

Mit der Forderung nach einer gemeinsamen humanitären Verantwortung Europas, die Geflüchteten und Asylbewerbern gelten müsse, fand die Diskussion zum Ausgangspunkt zurück, bevor der einsetzende Nieselregen dazu führte, dass die Mitglieder des Veranstalters Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Waginger See sich mit ihrem Kandidaten Andreas Herden ins Baiuvarenhaus zurückzogen. (14. September 2016)

 

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