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Die Südostbayerische Rundschau interviewte unseren Bürgermeisterkandidaten.

SR fragt, Walter Wimmer antwortet

Unser Bürgermeisterkandidat über Bürgerinformation, Verkehr und Umwelt

Südostbayerische Rundschau: Zunächst bitte einige Angaben beruflicher Natur, Familie, Alter. Das Üblich halt.

Walter Wimmer: Ich bin 45 Jahre alt, verheiratet und wir haben zwei gesunde Kinder. Wir wohnen auf dem wunderschönen Mühlberg. Ich bin Katholik aus Tradition und Christ aus Überzeugung. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Nach der Banklehre habe ich die fachgebundene Hochschulreife erworben. Das Studium zum Diplom-Handelslehrer absolvierte ich in Nürnberg. Mehrere berufliche Stationen in Südbayern brachten mich schließlich an die Berufsschule 2 in Traunstein. Hier unterrichte ich seit 2016 als Oberstudienrat in verschieden kaufmännischen Berufen.

Südostbayerische Rundschau: Von manchen Seiten wird kritisiert, dass die Information von Gemeinderat und Öffentlichkeit nicht ausreichend sei: Wie sehen Sie das, und welche Verbesserungsmaßnahmen haben Sie gegebenenfalls vor?

Walter Wimmer: Der Informationsfluss aus dem Rathaus ist nicht mehr zeitgemäß. Es reicht nicht, nur den rechtlichen Formalitäten der Informationspflicht zu entsprechen. Mit mir wird es eine zeitgerechte Informationspolitik geben. Es werden dabei die heutzutage gängigen Medien bedient werden. Zudem will ich eine redaktionelle Berichterstattung im VG Blattl wiedereinführen. Diese gab es schon mal in Waging, als mein Vorbild Sepp Daxenberger Bürgermeister war. Es ist mir wichtig, mit den Bürger*innen ins Gespräch zu kommen. Deshalb wird es bei mir fixe Bürgermeistersprechstunden geben.

SR: Ein ständiges Ärgernis – zumindest für die Radfahrer – ist die Tatsache, dass der Radweg an der Salzburger Straße so gut wie immer zugeparkt ist: Wollen Sie dagegen etwas unternehmen und falls ja, was?

Walter Wimmer: Leider neigen wir in der heutigen Zeit dazu, sämtliche Besorgungen mit dem Auto zu machen. Am besten wäre es noch im Laden zu parken, als davor. So kommt es zu diesem Ärgernis. Ich bin aber kein Anhänger von Überreglementierung. Vielmehr will ich an alle Beteiligten appellieren, sich an die bestehenden Regeln zu halten. Ich möchte den Solidaritätsgedanken in Waging beleben, Begeisterung wecken dafür, mit gutem Beispiel voranzugehen. Mit gegenseitigem Respekt und mit einem aufrichtigen Miteinander können wir gemeinsam dieses Ärgernis beseitigen.

SR: Das Thema Parkplätze ist in Waging Dauerthema: Würden Sie, wenn sie gewählt würden, anstreben, einen der derzeitigen provisorischen Parkplätze anzukaufen? Oder welche zusätzlichen Ideen hätten Sie, um auch für die Zukunft ausreichend Stellplätze zur Verfügung stellen zu können?

Walter Wimmer: Es geht hier vordergründig um den Hofbauer-Parkplatz. An diese Stelle gehört ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage. Das kann privatwirtschaftlich gelöst werden oder die Marktgemeinde springt ein. Wenn ich gewählt werde, ist es für mich selbstverständlich dieses Vorhaben voranzubringen. Das Ganze muss aber im Dialog mit den Anwohnern und der Eigentümer geschehen. Eine tageslichtdurchflutete Tiefgarage beim Friedhofsparkplatz in der Salzburger Straße ist möglich. Ein Parkleitsystem kann die bestehenden Kapazitäten besser auslasten. In der Seestraße könnten Parkplätze beim Pfarrsaal entstehen, wenn im Zuge der Neugestaltung des Areals gebaut wird, eine Einigung mit der Kirche vorausgesetzt. In der Postgasse stehen Bauvorhaben an; auch hier muss man die Parksituation berücksichtigen. Alle Projekte müssen finanziell darstellbar sein. Ebenso ist die Entwicklung an der Ottinger Straße noch nicht abzusehen. Wie stark wirken sich die neu geschaffenen 120 Stellplätze auf die übrige Parkplatzsituation aus?

SR: Trotz einer ganzen Reihe von Maßnahmen hat sich die Wasserqualität des Waginger Sees in Hinblick auf die Phosphatwerte seit Jahren nicht verbessert: Welche zusätzlichen Maßnahmen halten Sie für angebracht?

Walter Wimmer: Bayern ist in Deutschland das einzige Bundesland, das keine Gewässerschutzstreifen gesetzlich verankert hat. Der Marktgemeinde Waging bietet sich die einmalige Chance, hier im Rahmen der Ökomodellregion eine Vorreiterrolle einzunehmen. Ich setze mich dafür ein, alle Beteiligten in ein Boot zu holen, damit wir unsere Gewässer ökologisch wertvoller hinbekommen. Ich will Schutzstreifen für alle Arten von Gewässern im Gemeindegebiet wirtschaftlich und sozial verträglich einführen. Dabei wird mit allen Beteiligten gesprochen und angemessene Ausgleichsleistungen geschaffen. Dies wird umso leichter, wenn das Volksbegehren zur Artenvielfalt Erfolg hat. Denn dieser Gesetzesvorschlag sieht 5 Meter Gewässerrandstreifen vor. Darüber hinaus will ich die Ursachen des Nährstoffeintrags aufzeigen sowie Verhaltensregeln und Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Wasserqualität des Sees kommunizieren und umsetzen. Ich will eine naturverträgliche Landwirtschaft für Mensch und Umwelt fördern. Es soll kein entweder oder in Bezug auf biologische oder konventionelle Bewirtschaftung geben, sondern nur miteinander können wir Zukunft gestalten, das will ich fördern.

SR: Thema Mobilität: Welche Maßnahmen sind notwendig, um Waging, Otting, Tettenhausen und die anderen Orten in der großflächigen Gemeinde besser an den öffentlichen Personennahverkehr anzuschließen und diesen attraktiver zu gestalten?

Walter Wimmer: Es gilt, Radl, Bus und Bahn besser mit dem Auto zu vernetzen. Das angestrebte Verkehrs-Verbundsystem im Landkreis Traunstein ist dabei entscheidend. Ich werde alles dafür tun, damit Waging optimal eingebunden wird. Eine Bushaltestelle am Bahnhof ist von entscheidender Bedeutung. Der Bahnhof muss komfortabler und zugänglicher werden. Dazu werde ich bis Ende 2019 vom Land bereitstehende Mittel nutzen. Warum sollte es nicht möglich sein, die Gäste ohne Auto in Waging und seinen angeschlossenen Ortsteilen zu empfangen? Frei nach dem Motto: Machen Sie doch mal Urlaub vom Autofahren! Ich werde öffentliche Fördermittel nutzen, um das Radwegenetz flächendeckend zu schließen, auch um die eine oder andere Gefahrenstelle zu beseitigen. Dabei will ich das Wanderwegenetz mit einbeziehen. Nicht nur wir Waginger und Wagingerinnen sollen davon profitieren, sondern auch unsere Gäste. Die Vernetzung der Ortsteile kann mit E-Bike-Stationen und Carsharing-Modellen gelingen. Fest getaktete Fahrdienste für Jung und Alt sind denkbar. Auch Mitfahrgelegenheiten per App zu finden könnte relativ schnell realisiert werden, über das Projekt „digitales Alpendorf“. Wir sollten uns anstrengen und was probieren, damit wir mehr Autos von den Straßen runterbekommen.

SR: Im Waginger Gemeinderat gab und gibt es Mitglieder, die in verschiedenen Bereichen der Baubranche tätig sind und trotzdem bei (fast) allen Bausachen im Rat und im Ausschuss mitdiskutieren und mitstimmen dürfen: Halten Sie diesen Zustand für unproblematisch oder wollen Sie daran etwas ändern?

Walter Wimmer: Wer im Gemeinderat sitzt, entscheiden die Wähler und Wählerinnen. Es ist durchaus sinnvoll Sachverstand und Expertenwissen in den Gremien zu haben. Es darf dabei allerdings nicht zu Gefälligkeitsentscheidungen kommen. Schon gar nicht darf der Anschein erweckt werden, dass Eigeninteressen verfolgt werden. Das werde ich erst recht als Bürgermeister nicht dulden.

SR: Den lebendigen Ortskern von Waging erhalten – das ist eine gern gebrauchte Floskel von Waginger Kommunalpolitikern: Was wollen Sie konkret dafür tun, dass die geschäftliche Vielfalt erhalten bleibt, zumal vor dem Hintergrund, dass Mitte des Jahres die Märkte von Rewe und Rossmann eröffnet werden sollen?

Walter Wimmer: Die Waginger*innen haben sich für die Ansiedlung von REWE und Rossmann am Ortsrand entschieden. Das ist Fakt und zu akzeptieren. Jetzt gilt es die Verkehrssituation zu bewältigen, die sich durch die Märkte weiter verschärfen kann. Umso mehr müssen wir die Attraktivität der Ortsmitte befördern. Ich denke dabei an Fahrradleihstationen bei den Märkten und im Zentrum. Ein Taxistand fehlt in Waging. Es müssen darüber hinaus Anreize geschaffen werden, dass sich wieder neue Geschäfte im Ortskern ansiedeln. Produkte aus der Ökomodellregion anzubieten ist eine Idee. Kunsthandwerk zu etablieren wäre ein Ansatz. Eine autofreie Straße mit Kruschladen, Kneipe und Café zu bekommen, in diese Richtung gehen meine Gedanken. Allerdings sind den Gestaltungsmöglichkeiten des Bürgermeisters auch Grenzen gesetzt. Ich werde alle Register ziehen, dass der lebendige Ortskern weiter eine Zukunft hat. Den Ehrgeiz habe ich.

SR: Natur- und Umweltschutz ist in aller Munde: Sehen Sie noch zusätzliche Möglichkeiten, wie die Gemeinde einen Beitrag dazu leisten kann?

Walter Wimmer: Ich werde Permakulturen auf den kommunalen Flächen entwickeln. Ich werde „jeden Tag“ einen Baum pflanzen. Ich werde auf eine ökologischere Bewirtschaftung der Gemeindeflächen achten. Ich werde Waging zu einer pestizidfreien Kommune machen. Ich werde ein Geschirrmobil für die Vereine etablieren, damit kein Einweggeschirr mehr benutzt werden muss. Ich werde einen „Rama dama Tag“ organisieren mit Brotzeit und Getränke für die Helfer, am besten noch an einem autofreien Sonntag. Ich werde mit Waging dem Kreis der Fairtrade-Gemeinden beitreten. Ich werde die vierte Klärstufe bei der anstehenden Sanierung der Kläranlage realisieren, damit das Mikroplastik herausgefiltert werden kann. Ich werde Gewässerrandstreifen einführen. Ich werde noch mehr Photovoltaikanlagen auf den Dächern entstehen lassen. Ich werde mehr dezentrale Energieversorgung über Blockheizkraftwerke realisieren. Es gibt so vieles zu tun, und ich will und werde anpacken.

SR: Immer wieder ist im Gemeinderat das Thema kommunale Wohnbaugesellschaft angesprochen worden: Sehen Sie darin ein geeignetes Mittel, die Ausweisung von Bauland besser in den Griff zu bekommen?

Walter Wimmer: Die bestehenden Einheimischenmodelle sind nicht mehr geeignet, um dem Bedarf junger Familien aus sozialer und finanzieller Hinsicht gerecht zu werden. Der freie Markt produziert Wohnraum an den Bedürfnissen der Bürger*innen vorbei. Auf dem Land wird zu viel und das falsche gebaut. Es wird mit mir kein Bauland mehr ohne Befristung ausgewiesen. Es wird mit mir Rückbauverpflichtungen geben, wenn die Gebäude nicht mehr zweckmäßig genutzt werden. Ich sehe keine andere Alternative zu einer Wohnbaugesellschaft, um den kommunalen Wohnungsmarkt bedarfsgerecht und bezahlbar zu gestalten.

Das Interview führte Silke Leonhard.

(13. Februar 2019)

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