Sepp Hohlweger, Gisela Sengl und Martin Stümpfig (von links).

Bürgermeisterkandidat Sepp Hohlweger, Landratskandidatin und Landtagsabgeordnete Gisela Sengl und der energiepolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion Martin Stümpfig. Fotos: Herbert Koch

Es gibt keine Argumente gegen die Energiewende

Themenabend „Erneuerbare Energien für Ruhpolding“ in der „Jockl-Alm“

In der „Jockl-Alm“ beim Häusler in Ruhpolding hat der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Martin Stümpfig, vor zahlreichen Interessent*innen über die Notwendigkeit der Energiewende gesprochen. Die Besucher*innen des Themenabends „Erneuerbare Energien für Ruhpolding“ wurden von Landratskandidatin Gisela Sengl, von unserem Bürgermeisterkandidaten Sepp Hohlweger und vom Ortssprecher Andreas Korte begrüßt.

Zum Auftakt des Themenabends stellte Gisela Sengl die drei großen Zielen ihrer Landratskandidatur vor. Klimaschutz, so Gisela Sengl, beginnt beim Einzelnen und in der Kommune. Gemeinden CO2-neutral auszubauen habe oberste Priorität. Ganz wichtig sei ihr, alle Kraft auf ein soziales Miteinander zu richten und die regionale Wertschätzung vorhandener Ressourcen, einheimischer Produkte und Betriebe einschließlich der Landwirtschaft zu erhöhen.

Warum, fragte Gisela Sengl, wird das Klinikum Traunstein mit Essen durch eine Firma aus Rheinland-Pfalz versorgt, während das Salzburger Klinikum mit regionalen Produkten in Bioqualität eine eigene Küche für die Versorgung betreibt? Engagiert sprach sich Gisela Sengl für den zügigen flächendeckenden Ausbau des ÖPNV aus.

Mit Martin Stümpfig übernahm der energiepolitische Sprecher des Landtages das Wort und stellte anhand konkreter Zahlen und Fakten die Notwendigkeit der Energiewende weltweit als auch regional dar: Wenn bereits die Kippelemente im Erdsystem auf die globale Erwärmung reagieren – z. B. auftauender Permafrostboden und Veränderung des Jetstreams – gibt es keine Argumente mehr gegen eine Energiewende, sagte Martin Stümpfig. Betrachten wir nur die letzten zwei Jahre, führte Martin Stümpfig weiter aus, fielen im Jahresmittel 2018 und 2019 24 Prozent weniger Niederschlag. Die Temperatur 2018 war um 2,1°C und 2019 um 1,40°C zu warm.

Diese Klimaveränderungen haben Auswirkungen auf die Wasserversorgung (ca. 65 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen haben zu niedrige Wasserstände), auf die Gesundheit (im Jahr 2019 wurde die 40°C-Marke 25 Mal überschritten; von 1881 bis 2018 war das nur zehn Mal der Fall), auf die Landwirtschaft (Apfelblüte Mitte Mai war normal; Apfelblüte in den vergangenen Jahren bereits im April mit Spätfrostgefahr und Ernteausfällen) und auf die Forstwirtschaft (Fichte und Buche leiden unter Trockenstress).

Wieviel Zeit bleibt uns noch, fragte Martin Stümpfig und stellte den interessierten Zuhörer*innen die Verursacher des CO2-Ausstoßes in Bayern anteilig vor:

  • 35 Mio. t aus der Wärmeversorgung
  • 30 Mio. t aus dem Verkehr
  • 25 Mio. t aus der Landwirtschaft
  • 12 Mio. t aus der Stromerzeugung

Mit diesen Beispielen und Zahlen, argumentierte Martin Stümpfig, lasse sich auch die Zielsetzung für klimaschutzrelevante Maßnahmen in Ruhpolding manifestieren:

  • Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes
  • bis 2035 klimaneutrale Gemeinde
  • Klimaschutzmanager*in einstellen (Förderung möglich)
  • Strombedarf bis 2025 aus erneuerbaren Energien decken
  • Entwicklung eigener Stromprojekte
  • Aufbau eines Nahwärmenetzes (Nutzung von Abwärme)
  • Auf- und Ausbau einer Regionalvermarktung

Nach dem Vortrag zeigte sich Bürgermeisterkandidat Sepp Hohlweger enttäuscht über den langjährigen Stillstand bei der Umsetzung klimaschutzrelevanter Projekte in der Gemeinde. Erdgas aus Russland dürfe nicht Favorit der zukünftigen Energieversorgung in der Gemeinde werden. Auch wenn es als so genanntes „Naturgas“ verkauft wird, bleibe es ein fossiler, endlich verfügbarer Energieträger.

Sepp Hohlweger sprach die einmalige Chance an, das Heizkraftwerk auf Holz als nachwachsenden, regional vorhandenen Rohstoff für die Stromerzeugung umzustellen. Für die Umstellung auf erneuerbare Energie gibt es auch Fördermittel.

Sepp Hohlweger betonte, dass es wichtig sei, für die zukünftigen Energieprojekte den Energienutzungsplan des Landkreises heranzuziehen und Beratungsmöglichkeiten der Energieagentur des Landkreises bei der Vorbereitung und Umsetzung der Energieprojekte zu nutzen.

In der sich anschließenden Diskussion wollte Herbert Koch wissen, ob bei seiner privaten Heizungsumstellung ein Anschluss an das geplante Gasnetz oder an das Wärmenetz sinnvoller sei. Martin Stümpfig sprach sich nachdrücklich für das Wärmenetz aus, da Erdgas und auch Erdöl fossile Energieträger und endlich sind.

Der Ortsobmann des Bauernverbandes Thomas Christofori zeigte großes Interesse an der Solarenergie, da nach Aussage von Martin Stümpfig Solaranlagen auch auf Nordseiten wirtschaftlich betrieben werden können.

Der Vorschlag von Sepp Hohlweger, eine Energiegenossenschaft zum Beispiel für den Betrieb des Heizkraftwerkes ins Leben zu rufen, wurde positiv aufgenommen. Sepp Hohlweger ist eine Herzensangelegenheit, die Gemeinde umweltverträglich und enkeltauglich weiter zu entwickeln. Mit dem Appell eines Ruhpoldinger Bürgers, dass Umweltschutz bei jedem Einzelnen beginnt, beendete Ortssprecher Andreas Korte den Themenabend. Ute Dörfel

(11. Februar 2020)

MdL Martin Stümpfig bei seinem Vortrag in der „Jockl-Alm“.

Martin Stümpfig, Sprecher für Energie & Klimaschutz der Grünen im Bayerischen Landtag, bei seinem Vortrag in der „Jockl-Alm“.

Der Ortsverband Ruhpolding stellt sich vor.
Landratskandidatin Gisela Sengl
Kreisrundbrief
Newsletter von Gisela Sengl
Mitglied werden