Hervorragend besuchte war die Grünen-Infoveranstaltung zum Waldkindergarten im „Ruhpoldinger Hof“.

Brechend volles „Skistüberl“: Vom Ansturm auf die Waldkindergarten-Infoveranstaltung waren die Organisatoren überrascht. Fotos: Herbert Koch

Mit aller Kraft dran am Waldkindergarten

Hervorragend besuchte Grünen-Informationsveranstaltung im „Ruhpoldinger Hof“ 

Der Ortsverband der Grünen hat im „Ruhpoldinger Hof“ zu einer Informationsveranstaltung zur Einrichtung eines Waldkindergartens in Ruhpolding eingeladen und wurde vom Ansturm der Interessenten überrascht. Nachdem alle Teilnehmer enger zusammenrückten, war das „Skistüberl“ brechend voll.

Die Ortssprecherin der Grünen, Claudia Schewior, eröffnete den Abend und begrüßte den Vertreter der Bayerischen Staatsforsten, Harald Siegler. In dessen Revier ist in der Nähe der Laubau die Fläche des zukünftigen Waldkindergartens geplant. Als weitere Gäste stellte Claudia Schewior Erzieherin Sarah Leifeld, Erzieherpraktikantin Luisa Haase und den Elternvertreter des Inzeller Waldkindergartens, Markus Ried, mit Sohn Felix vor.

Sarah Leifeld informierte über ihren reichen Erfahrungsschatz aus zwölf Arbeitsjahren in Waldkindergärten, deren Konzept ursprünglich aus Skandinavien kommt und die Natur als Lehrobjekt und Lernort zur Grundlage der Kinderbetreuung nimmt. Wesentlicher Vorteil sei, so Sarah Leifeld, dass es keine festen Gebäude braucht und die Kinder sich bei jedem Wetter in freier Natur bewegen können.

Luisa Haase befindet sich noch in Ausbildung. Seit zwei Jahren arbeitet sie im Waldkindergarten Eisenärzt und kann sich nicht mehr vorstellen, in einem anderen Kindergarten zu arbeiten. Luisa sprach mit begeisternden Worten über die Abläufe im Waldkindergarten: Ab 7.30 Uhr bringen die Eltern ihre Kinder, nach dem Morgenkreis mit festen Ritualen „stürmen“ die Kleinen mehrere Waldplätze für die Freispielzeit. Diese wird, so Luisa, um 10 Uhr von einer Brotzeit unterbrochen und anschließend haben die Gruppen bis Mittag Zeit zum spielenden Lernen. Ab 12.30 Uhr holen die Eltern ihre Kinder ab.
Nach dieser Einführung von Sarah und Luisa bat Claudia Schewior die Anwesenden um Fragen. Sofort und im „Sekundentakt“ wurden Fragen gestellt, die Sarah oft mit einem Schmunzeln ob der Besorgnis der Eltern beantwortete. Nachfolgend ein kleiner Abriss der Elternanfragen:

Wie ist es mit der Toilette?
Sarah: Favorit ist eine Komposttoilette und im Wald gekennzeichnete Pieselbäume.

Frieren die Kinder im Winter?
Sarah: Kaum, weil sie sich viel bewegen und toben. Wichtig ist Reservekleidung und das Ankleiden nach dem Zwiebelsystem.

Was ist mit Zecken?
Sarah: Zeckenbisse sind in den vergangenen zwölf Jahren sehr selten aufgetreten. Entsprechend des Einzugsgebietes kann über eine Impfung nachgedacht werden und vor allem ist passende Kleidung anzuziehen.

Sind die Kinder im Wald gefährdet?
Sarah: Die Kinder sollten nicht in Watte gepackt werden. Sie selbst lernen und schaffen lassen ist ganz wichtig. Auch, wenn es einmal wehtut. Hilfe ist immer in der Nähe.

Gibt es eine Vorschule?
Sarah: Die gibt es auch im Waldkindergarten mit Vorschulrunden zu speziellen Thematiken.

Müssen Kinder windelfrei sein?
Sarah: Nein; gewickelt wird auch im Waldkindergarten.

Was ist bei Sturm und anderen Unwetterlagen?
Sarah: Hier fordert das Jugendamt einen Schutzraum, in dem die Kinder untergebracht werden können.

Nach der Fragerunde sprach der Bürgermeisterkandidat der Grünen Sepp Hohlweger an, dass es zu wenige Kindergartenplätze in der Gemeinde gibt. Seit ihrer Gründungsversammlung im Mai 2019 haben die Grünen den Waldkindergarten zum Thema – vor allem weil ausreichend Bedarf vorhanden ist, wie auch die Informationsveranstaltung zeigt. Neben der Fläche, so Sepp Hohlweger, braucht es einen Träger, der jetzt auch bereitsteht. Erforderlich wären auch Gemeinderatsbeschlüsse für die Finanzierung.

Die Sorge der Eltern nach zu wenig Plätzen nahm Dr. Ulrike Pfeifer (2. Bürgermeisterin der Gemeinde Ruhpolding) auf und verwies auf die Möglichkeit der Anmeldung in mehreren Kindergärten. Die Einrichtung des Waldkindergartens sei sinnvoll und bedarf der Unterstützung, so Dr. Ulrike Pfeifer.

Als möglicher Eröffnungstermin des Ruhpoldinger Waldkindergartens ist der September 2020 geplant, informiert Sepp Hohlweger. Aktuell kümmern sich Claudia Schewior und Sepp Hohlweger um die Genehmigung durch das Jugendamt. Daran anschließend wird versucht, eine einvernehmliche Lösung mit der Gemeinde zu finden.

Mit der Zielsetzung den Eltern und ihren Kindern eine Kindergartenzeit außerhalb geschlossener, lärmbelasteter Räume anzubieten, wird der Ortsverband der Grünen an der Umsetzung des Projekts mit aller Kraft dranbleiben. Ute Dörfel

(28. Januar 2020)

Felix Ried, der den Inzeller Waldkindergarten besuch, war der jüngste Gast der Infoveranstaltung.

Waldkindergarten-Kompetenz: Felix Ried besucht den Inzeller Waldkindergarten.

Der Ortsverband Ruhpolding stellt sich vor.
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