zurück zur Seite Aktuelles des KV Traunstein
Marianne Penn, Gisela Sengl, Bärbel Höhn, Helga Mandl, Braumeister Markus Milkreiter, Brauereigeschäftsführer Stefan Haunberger und Bernhard Zimmer.

Geschäftsführer Stefan Haunberger und Braumeister Markus Milkreiter (2. und 3. von rechts) erklärten Bezirkstagskandidatin Marianne Penn, Landtagskandidatin Gisela Sengl, Bundestagsabgeordneter Bärbel Höhn, Kreisverbands-Sprecherin Helga Mandl und Bundestagskandidat Dr. Bernhard Zimmer (von links) den Produktionsablauf in der Schlossbrauerei Stein. Foto: fam

Haunberger kritisiert Politiker und Behörden

MdB Bärbel Hohn zu Besuch in der Schlossbrauerei Stein

Die Komponenten Regionalität, Biobier und Nachhaltigkeit haben Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, dazu bewogen, am Mittwoch beim Besuch des Traunsteiner Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen auch der Schlossbrauerei Stein eine Stippvisite abzustatten. Bei einem Rundgang durch die Brauerei erklärten Geschäftsführer Stefan Haunberger und Braumeister Markus Milkreiter, dass sich die Brauerei auch im Naturschutz engagiere. Haunberger nutzte den Besuch, um seinem Unmut Luft zu machen. 

Ihn ärgert der Stillstand bei Bürokratie und Politik hinsichtlich des Felssturzes vor etwa drei Jahren, der ein Wohnhaus und Menschen unter sich begraben hatte. Für Sicherungsmaßnahmen habe die Schlossbrauerei seitdem eine halbe Million Euro ausgegeben. Seitens der Behörden gebe es Maßnahmenkataloge, aber auch Kompetenz-Gerangel.

Als Beispiel nannte Haunberger ein Sicherungsnetz, mit dem das Unternehmen mit einem Kostenaufwand von 50 000 Euro den Innenhof ausstatten muss. Vor Ort hätten Vertreter von Landesamt für Denkmalpflege und von Bund Naturschutz gestritten, wie dieses Netz auszusehen habe – die Felsenburg steht unter Denkmalschutz, und die Felsenwand ist FFH-Gebiet. „Da stehst du dann daneben wie ein begossener Pudel“, sagte Haunberger verärgert. Zudem müsse die Brauerei jährlich 20 000 Euro für einen Geologen, der die Felswand untersucht, berappen. Hinzu komme ein Schutzwall für die Turnhalle der Schule Schloss Stein, der mit 40 000 Euro zu Buche schlage.

Die Schlossbrauerei könnte sich das nach Worten Haunbergers nicht leisten, wenn sie nicht vermögende Gesellschafter hätte. „Jeder andere Betrieb müsste zusperren, weil er es sich nicht leisten kann, aus dem laufenden Betrieb eine halbe Million Euro in Felssicherung zu investieren.“ Sowohl die Regeln des Naturschutzes als auch die des Denkmalschutzes müsse das Unternehmen befolgen. „Dann bitte, helft uns doch“, appellierte Haunberger in Richtung Politik und Behörden. Nachdem das Unglück vor drei Jahren geschehen ist, hätten Politiker vor Ort Zusammenhalt und Unterstützung zugesichert: „Geredet wurde viel, passiert ist nichts.“

Die Politiker unternähmen bislang nichts, wollten keine Entscheidungen treffen und säßen das Problem lieber aus, kritisierte Haunberger. „Es geht halt nichts weiter.“ Trotzdem hege er immer noch Hoffnung in der Politik. Denn die Kosten seien zu hoch, um sie alleine zu schultern. Haunberger hofft auf finanzielle Förderung, da die Brauerei und die Felsenburg in puncto Naturschutz, Denkmalschutz, Wirtschaft und Tourismus von großer Bedeutung seien. „Das muss alles erhalten werden – und das auf Kosten des Mittelstands.“

„Sie will das vorbringen“, berichtete Haunberger im Gespräch mit der Heimatzeitung über ein Versprechen Höhns. „Sie kann das auch nicht verstehen, dass da noch nichts passiert ist.“ Haunberger hofft auf ein weiteres Treffen vor Ort von Vertretern maßgeblicher Stellen wie Landratsamt, Kultusministerium und Geologie. Denn: „Die Schlossbrauerei kann die Kosten nicht alleine tragen. Da brauchen wir Hilfe von mehreren Abteilungen.“

Mit Blick auf die Unternehmensstruktur der Schlossbrauerei betonte Haunberger: „Ökonomie und Ökologie müssen sich im Gleichgewicht halten.“ Man dürfe „nicht nur den Gewinn rausziehen, sondern muss auch der Natur Rechnung tragen.“ Interessiert folgte Höhn den Ausführungen Haunbergers, nach denen die Schlossbrauerei großen Wert auf Regionalität legt. So beliefern etwa 100 Landwirte aus dem Chiemgau die Brauerei mit Braugerste. Die Brauerei verwendet atomfreien Strom und produziert mit zwei wasserbetriebenen Elektrokraftwerken 99 Prozent ihres gesamten Stromverbrauchs.

„Die Produktion, die Vermarktung und das Sortiment finde ich sehr spannend“, sagte Höhn. Regionale Produkte stärken ihrer Ansicht nach die Vielfalt bei Lebensmitteln; deshalb seien ihr der Mittelstand und dessen Produkte ein Anliegen. Daher schaue sie sich gerne in solchen Betrieben, die auch Wert auf Regionalität setzen, um. „Das habe ich auch in Nordrhein-Westfalen so gemacht“, erklärte Höhn. Dort war sie Umweltministerin.

„Wir unterstützen die Region sehr stark“, erklärte Haunberger und führte das Engagement der Schlossbrauerei in puncto Chiemgauer Landschaftspflegeverband (LPV). So habe das Unternehmen in diesem Jahr bereits zum Beispiel 10 000 „Chiemgauer“ für Streuobstwiesen gespendet und setze sich für die Pflegen der Almen ein. Im Gespräch nach der Brauereibesichtigung fand Haunberger mit Blick auf Regionalität deutliche Worte: Wer beim Discounter kauft, säge den Ast, auf dem er sitzt, ab. Das Geld fließe nicht in die Gewerbesteuer der jeweiligen Kommune, da sich die Firmensitze wo anders befänden. Dies schwäche den Mittelstand und habe Auswirkungen auf die Bevölkerung vor Ort. „Jeder will gute Löhne und gute Ausbildungsplätze, aber sein Geld gibt er bei den anderen, den Großen, aus.“

Beeindruckt von der Schlossbrauerei und den Ausführungen Haunbergers, setzte Höhn ihre „Rundreise“ durch den Landkreis Traunstein fort. Nächste Station war der Biohofladen von Grünen-Landtagskandidatin Gisela Sengl in Sondermoning. Dort informierte sich Höhn über die Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen.

Abends referierte die Bundestagsabgeordnete schließlich im Traunsteiner „Hofbräustüberl“ über die Energiewende und ging dabei vor allem darauf ein, wie die Energiepreise auch in Zukunft bezahlbar bleiben können. Zudem schilderte Bundestagskandidat Dr. Bernhard Zimmer, wie vor allem ländliche Regionen nicht nur ihrer Schlüsselrolle in der Energiewende gerecht werden können, sondern auch wirtschaftlich zu den Gewinnern der Energiewende werden können. Michael Falkinger

(16. Juli 2013)

Felicitas Wendt in den Bezirkstag
Newsletter von Gisela Sengl
Kreisrundbrief
Mitglied werden
Spende ein Plakat
Grüne gegen Fremdenhass
Grünen-Kampagne gegen Hass