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Viele Defizite bei Kinderrechten

Diskussion zum Thema „20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention“

„Was kann in Traunstein zur Stärkung der Kinderrechte noch getan werden?“ war das Thema des Treffens der Traunsteiner Grünen im „Sailer Keller“. Aktueller Anlass war die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention vor 20 Jahren, die auch in Traunstein in vielen Veranstaltungen diskutiert wird. Obwohl diese Konvention „nur eine Absichtserklärung war“, wie Stadt- und Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner ausführte, „hat sich in den letzten 20 Jahren schon viel getan.“ Die Kreisvorsitzende Helga Mandl ergänzte: „In Deutschland denken viele Leute mittlerweile nach, ob etwa die Turnschuhe, die sie kaufen, oder die Pflastersteine in der Fußgängerzone ihrer Gemeinde durch Kinderarbeit hergestellt wurden.“ 

Beide hatten bei der Eröffnung der Kinderrechte-Ausstellung im Traunsteiner Rathaus teilgenommen, bei der sie aber die Themen „Kinderarmut“ und „Recht auf Bildung“ viel zuwenig repräsentiert sahen. Mörtl-Körner erläuterte, dass zur finanziellen Armut in Deutschland heute auch oft eine soziale und sogar eine emotionale Kinderarmut hinzukommen: „Über die bekannten Ermäßigungen in vielen Traunsteiner Einrichtungen hinaus brauchen betroffene Kinder wirklich spürbare Ermäßigungen in Sportvereinen oder beim Erlernen eines Instruments“, forderte sie. Sport und Kultur sind für Kinder notwendig, um am sozialen Leben teilzuhaben.  

Anna Stephl berichtete von einer vorbildlichen Einrichtung, die es seit 2003 in ganz Österreich gibt: „Hunger auf Kunst und Kultur“. Dort erhält ein großer Kreis von Erwachsenen und Kindern, die zum Beispiel österreichische Sozialhilfe beziehen, recht unbürokratisch einen „Kulturpass“, der für 6 oder 12 Monate bei vielen Museen, Galerien oder auch bei bestimmten Theateraufführungen zum Gratiseintritt berechtigt. Katharina Stadler war von der Idee begeistert und bemerkte: „Hiermit könnten auch bei uns Kinder und Erwachsene einen Zugang zur Kultur bekommen, die sonst wahrscheinlich nicht ins Museum gegangen wären. Somit hat der Veranstalter praktisch keinen Einnahmeausfall.“ Weiterhin konnte Katharina Stadler von einem weiteren aktuellen Beispiel zur konkreten Umsetzung von Kinderrechten berichten: „Seit Sommer diesen Jahres ist Rheinland-Pfalz das erste deutsche Bundesland mit kostenlosen Kindergärten für alle Drei- bis Sechsjährigen.“

Alle anwesenden Mitglieder und Besucher waren sich einig, dass es noch viel zu tun gibt und dass die aktuelle Veranstaltungsreihe eine hervorragende Gelegenheit sei, auf die vielen noch herrschenden Defizite bei den Kinderrechten aufmerksam zu machen. Wolfgang Wörner

(9. November 2009)

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