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Bürgergenossenschaften für eine gelingende Energiewende

Bürgergenossenschaften gut für Energiewende

100% aus regenerativen Energiequellen

Im Landkreis Traunstein soll bereits 2020, also zwei Jahre bevor das letzte bundesdeutsche Kernkraftwerk vom Netz geht, der Strombedarf für Haushalte, Kommunen und Gewerbebetriebe zu 100% aus regenerativen Energiequellen erzeugt werden. Ein entsprechendes Konzept wurde im Jahr 2008 beschlossen. Der damals ermittelte Anteil an erneuerbarer elektrischer Energie lag bei knapp 50 % des Gesamtbedarfs. Seither stagniert die Entwicklung.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gamke hat bei seinem Besuch in Traunstein auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Energiewende durch bürgerliches Engagement zu beschleunigen. Ausgezeichnete Möglichkeiten für eine Bürgerbeteiligung bei der Erzeugung regenerativer Energie bieten Bürgergenossenschaften, erklärte Gambke. Ein erfolgreiches Modell wird seit 2010 in Neumarkt in der Oberpfalz betrieben.

Bei einem Ortsbesuch im Landratsamt Neumarkt ließen sich Margarethe Gineiger, Burgi Mörtl-Körner, Willi Geistanger, Sepp Hohlweger und Richard Danhof die Erfolgsgeschichte der Bürgergenossenschaft „Jurenergie eG“ (eG: eingetragene Genossenschaft) erläutern. Roland Hadwiger, der Initiator des Projekts Jurenergie, wies in seinem Vortrag zunächst auf die Anfänge der Bürgergenossenschaft hin. Im April 2010 hatten 79 engagierte Bürger die Jurenergie gegründet. Zweck der Genossenschaft war es, den Anteil an regenerativer Energie im Landkreis zu erhöhen und damit zu einer regionalen, zukunftsfähigen Energieversorgung beizutragen.

Gleichzeitig sollte die Jurenergie sicherstellen, dass die Bürger von den Erträgen der Energieerzeugung profitieren können. Das Gründungskapital belief sich damals auf rund 300.000 €. Heute, zwei Jahre später, haben sich die Erwartungen der Gründerväter mehr als erfüllt, so Hadwiger. Die Zahl der Mitglieder hat sich mit derzeit 726 fast verzehnfacht und das gezeichnete Kapital ist auf stattliche 5,7 Millionen Euro angewachsen. Investiert hat die Jurenergie inzwischen 2,3 Millionen Euro in Photovoltaikanlagen und Kommanditbeteiligungen an Windkraftanlagen. Eine eigene Windkraftanlage ist in Planung und so ganz nebenbei wurde auch ein erster Gewinn erwirtschaftet.

Die Rechtsform der Genossenschaft ist deshalb so gut geeignet, erklärte Hadwiger weiter, weil damit eine ganz breite Bürgerbeteiligung möglich ist. Ein einzelner Anteil kostet bei der Jurenergie 500 Euro – eine für die meisten Bürger erschwingliche Summe. Als Höchstbeteiligungsgrenze wurden 200 Anteile festgelegt. Unabhängig von der Höhe der Anteilssumme verfügt jedes Mitglied nur über eine Stimme bei der Hauptversammlung. Dies ist ein wichtiger Aspekt, so Hadwiger, weil damit unliebsame Interessenskonzentrationen oder gar eine feindliche Übernahme ausgeschlossen werden können. Ein weiterer Vorteil dieser Rechtsform ist für die Anleger das äußerst geringe finanzielle Risiko.

Die Mitglieder haften nur mit ihrem Geschäftsanteil und erhalten bei einem Austritt ihre gesamte Einlage zurück. Geleitet wird die Jurenergie ehrenamtlich von einem dreiköpfigen Vorstand und von fünf Aufsichtsratsmitgliedern. Bei der abschließenden Diskussions- und Fragerunde brachten die Gäste aus Traunstein das Gespräch schnell auf das Thema Akzeptanz von Windrädern in Tourismusgebieten. In dieser Frage war sich Roland Hadwiger absolut sicher: „Windräder werden auch in diesen Regionen gebaut. Wenn nicht von den Bürgern, dann von externen Investoren.“

Bürger als regionale Energieversorger! Im Landkreis Neumarkt ist das bereits Realität. Für den Landkreis Traunstein muss das kein unerfüllbarer Wunsch bleiben. Vielleicht finden sich ja auch bei uns genügend engagierte Bürger*innen, um eine Energie-Genossenschaft zu gründen. Richard Danhof

(25. März 2012)

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