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Wasserkraft an der Tiroler Achen?!

Emotionale Podiumsdiskussion in Grassau

Kürzlich lud der Kreisverband Traunstein Bündnis 90/ Die Grünen nach Grassau zu einem Podiumsgespräch zum Thema „Wasserkraft an der Tiroler Achen“ ein. Nach einleitenden Worten von Moderatorin Marianne Penn, Direktkandidatin der Grünen im Landkreis Traunstein für den Bezirkstag, äußerten sich die Podiumsteilnehmer, Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer Ökomodell Achental e. V., Prof. (FH) Dr. Bernhard Zimmer, Bundestagskandidat der Grünen und Dipl. Biologin Ilse Englmaier, Zweitstimmenkandidatin im Landkreis Traunstein für den Bezirkstag, zu den Planungen von Fließgewässerkraftwerken an der Tiroler Achen, dem Neubau von Wasserkraftwerken allgemein und den naturschutzfachlichen Ansichten zu diesen Themen. 

Über 60 Besucher verfolgten die teilweise sehr kontrovers und emotional geführte Debatte mit großem Interesse. Anlieger des Gemeindeteils Almau in Übersee, gaben ihrer Sorge Ausdruck, dass bei den Planungen und der Suche nach möglichen Standorten dem Hochwasserschutz und vor allem einem steigenden Grundwasserpegel im Staubereich der Kraftwerke nicht genügend Rechnung getragen werde. Ihre Anwesen in unmittelbarer Nachbarsschaft zur Tiroler Achen hätten einen hohen Grundwasserstand und seien beim letzten Hochwasser vom Anstieg des Grundwassers stark betroffen gewesen. 

Wolfgang Wimmer stellte das Ökomodell Achental vor, sowie das Ziel, innerhalb der Achental-Gemeinden bis 2020 den Bedarf an Wärme und Strom aus eigenen Ressourcen zu decken. Im Bereich Biomasse und Energieholz sei das Energiekonzept bereits erfolgreich in der Umsetzung. Doch müsse auch der Anteil an erneuerbarer Energie aus Wasserkraft deutlich erhöht werden. Eine Machbarkeitsuntersuchung zur Öko-Wasserkraftnutzung an der Tiroler Achen sei erstellt worden. 

Bernhard Zimmer wies darauf hin, dass bereits 90 % der Fließgewässer in Bayern zur Erzeugung von Wasserkraft genutzt werden, die Nutzungspotenziale bei der Wasserkraft weitgehend ausgenutzt seien und die noch erschließbaren Potenziale deshalb keinen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten würden. Die zukünftige Entwicklung der Wasserkraftnutzung liege vor allem in der technischen Modernisierung bestehender Anlagen, wobei damit auch eine Ökologisierung verbunden sein müsse.  

Neue Anlagen, wie die an der Tiroler Achen, bedeuten immer gravierende Eingriffe in die oft letzten, noch weitgehend frei fließenden Gewässer. Deshalb seien Eingriffe in ökologisch sehr wertvolle Fließgewässer besonders kritisch zu hinterfragen. Er warb für eine ergebnisoffene Prüfung aller Energieprojekte unter strenger Anwendung aller bestehender Gesetze und Richtlinien, um die Nachhaltigkeit neuer Projekt zu prüfen. 

Ilse Englmaier verglich die geplanten Fließgewässerkraftwerke mit ähnlich geplanten Modellen an der Salzach und beschrieb die allgemeinen ökologischen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung wie die starke Schädigung des Ökosystems Fließgewässer und das allgemein ungelöste Problem der Durchgängigkeit für Fische und Geschiebe. Auch sah sie die Grundlastfähigkeit der Stromproduktion nur über einen bestimmten Zeitraum im Jahr gegeben. Die Biologin plädierte dafür, von den Kraftwerksplänen abzusehen und dem Fluss durch Aufweitung wieder mehr Vielfalt und Raum für einen besseren Hochwasserschutz zu geben. 

Die anschließende Diskussion bewies die Aktualität des Themas in der Region, dem Bedürfnis nach Austausch und Information. Trotz unterschiedlicher Betrachtung und Bewertung der Umsetzung der Energiewende stellte Moderatorin Marianne Penn fest, dass der Wunsch nach einem zügigeren Abschied von fossilen Energieträgern letztendlich das verbindende Glied sei. Regina Reiter und Wilfried Schott

(23. August 2013)

Felicitas Wendt in den Bezirkstag
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