zurück zur Themenseite Landwirtschaft & Ernährung
Bärbel Höhn sprach im voll besetzten "Sailer Keller".

„Wir brauchen eine Perspektive für die bäuerliche Landwirtschaft“, forderte Bärbel Höhn bei ihrem Vortrag in Traunstein.

Hat Landwirtschaft nach 2014 eine Zukunft?

Bärbel Höhn sprach im „Sailer Keller“ in Traunstein über EU-Pläne

Bärbel Höhn war von 1995 bis 2005 Ministerin unter anderem für Umwelt und Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Seit 2006 ist sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag und zuständig für Umwelt, Energie, Verbraucherschutz und Landwirtschaft.

Das Thema des Abends war brisant: Momentan wird in der EU eine Entscheidung vorbereite: Deutsche Bauern sollen ab 2014 voraussichtlich weniger Direktzahlungen bekommen und diese Zahlungen sollen an bestimmte Bedingungen geknüpft werden. Welche Auswirkungen hat dies auf große und kleine Betriebe, auf konventionell und auf biologisch wirtschaftende Höfe?

Burgi Mörtl-Körner, selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen und heute Studiendirektorin an der landwirtschaftlichen Berufsschule in Traunstein führte mit großem Sachverstand in das Thema ein. „20% der Betriebe erhalten heute 80% der Zahlungen“ sagte sie.

Bärbel Höhn kommt selbst aus der Landwirtschaft, der väterliche Hof war in der Nähe der dänischen Grenze und ihre Mutter ist auf einem Hof in der Nähe von Danzig aufgewachsen. Sie berichtete kurz von ihren Erfolgen in der Zeit als Landwirtschaftsministerin in NRW und kam dann gleich zum eigentlichen Thema „Die Schaltstelle für eine vernünftige Landwirtschaft sind die Förderungen der EU“, sagte sie. Hier sind wir in den letzten Wochen vor einer Entscheidung zur Neuausrichtung nach 2013 und es wird heftig um Positionen gestritten. Sie lobte den damaligen EU-Kommissar Fischler (Österreich), der eine einfache Formel umzusetzen versuchte: Bauern + Umwelt = Geld. Dies ist die sogenannte zweite Säule der Förderung, neben der ersten Säule, die eine Förderung pro Hektar vorsieht.  Momentan ist das Verhältnis der beiden Säulen 3 zu 1 zu Gunsten der Förderung pro Hektar. „Wir wollen die 2. Säule fördern“, sagte sie, -„ Wer Geld von der EU bekommt, soll auch Gegenleistung erbringen“.- „ Bäuerliche Betriebe haben Tradition, für sie ist der Begriff Nachhaltigkeit schon immer wichtig gewesen, sie mergeln die Böden nicht aus und schauen auf die Zukunft. Sie erzeugen regionale Produkte und erhalten Traditionen, wie zum Beispiel die handwerkliche Käseherstellung.

Bärbel Höhns Credo zum Abschluss ihres Vortrags war: „Wir brauchen Schutz für unsere Umwelt und für unsere Landwirtschaft, wir müssen die Regionalität fördern und brauchen Verbraucherschutz, kurz: wir brauchen eine Perspektive für die bäuerliche Landwirtschaft.“ 

In der anschließenden von Burgi Mörtl-Körner geleiteten Frage- und Diskussionsrunde  fragte Friedrich von Mallinckrodt, wie die geplante Veränderung der EU-Direktzahlungen sich auf Großbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern, Niederlande oder Frankreich auswirke. Bärbel Höhn sagte, dass man den Landwirten nicht etwas verbieten darf ohne andere Einnahmemöglichkeiten zu schaffen, zum Beispiel im Tourismus oder der regionalen Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die Niederlande hat hier schon einiges getan und ist zu einem großen Produzenten von Freiland- (Stempel 1 NL) und Bio-Eiern (Stempel 0 NL) geworden, auch für den mittlerweile anspruchsvollen deutschen Verbraucher von Eiern. Der „Knackpunkt“ für die Umsetzung neuer EU-Regelungen wird aber sicherlich Frankreich sein, so Höhn.

Leonhard Strasser hielt zunächst ein Plädoyer für Gentechnikfreiheit in der Landwirtschaft und forderte dann auf, die „Täuschung der Verbraucher“ zu stoppen: „Wo Chiemgau draufsteht, muss auch Chiemgau drin sein“, sagte er. Bärbel Höhn stimmte ihm voll zu und brachte selbst ein Beispiel, wie sie sich kürzlich durch eine irreführende Verpackung getäuscht fühlte. Gertraud Gafus regte an, dass Direktzahlungen an die Arbeitsintensivität der Betriebe angepasst werde, Sepp Huber forderte, dass alte Apfel- und Birnensorten erhalten blieben und viele weitere Besucher diskutierten noch lange mit Bärbel Höhn und untereinander. Frau Höhn war sichtlich erfreut über die große Resonanz und die hochkarätige Diskussion und bedankte sich zum Abschluss herzlich beim Kreisverband Traunstein der Grünen für die gute Organisation. Wolfgang Wörner

(7. August 2011)

Felicitas Wendt in den Bezirkstag
Newsletter von Gisela Sengl
Kreisrundbrief
Mitglied werden
Grünen-Kampagne gegen Hass