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Kommt die Gülle allein aus der Landwirtschaft?

Gedankenaustausch zwischen Gisela Sengl und BBV-Obmann Josef Helminger

Zu einem Informations- und Meinungsaustausch zu den Themen Bioregion Waginger See und Biogas haben sich Gisela Sengl, die Landtagsdirektkandidatin der Grünen im Kreis Traunstein, und der Bauernverbandsobmann für Wonneberg, Josef Helminger, auf dem Hof von Manfred Huber in der Gemeinde Wonneberg getroffen.

Die Landwirte klagen über den Vorwurf, dass die 16 Tonnen Phosphateintrag in den Waginger See nur aus der Landwirtschaft kommen sollen. Auch würden sich die Bauern eine objektivere Berichterstattung und eine positivere Darstellung der Arbeit auf ihren Betrieben wünschen. „Die Kulturlandschaft wird von den Bauern gemacht. Sie ist das Ergebnis unserer Arbeit“, sagte Landwirt Manfred Huber.

BBV-Obmann Helminger schilderte die Fakten. In den letzten 25 Jahren habe sich der Viehbestand um 30 Prozent reduziert. Die meisten Landwirte seien im Kulturlandschaftsprogramm (Kulap), deshalb sei der Viehbestand auf unter zwei Großvieheinheiten (GV) pro Hektar beschränkt. Die 32 Milcherzeuger mit 700 Kühen in der Gemeinde Wonneberg  bringen laut Helminger über die Gülle insgesamt 20 Tonnen Phosphat auf die Flächen aus. „Das würde ja bedeuten, dass die Pflanzen nur einen kleinen Teil aufnehmen“, sagte Helminger. „Wir bezweifeln, dass 85 Prozent des Eintrags in den See aus der Landwirtschaft kommen. Aber wir sind bereit, unseren Beitrag für eine ökologischere Wirtschaftsweise in unseren Betrieben zu leisten.“

„Wir könnten auch alle auf Bio umstellen“, meinte der Obmann weiter, „doch dazu brauchen wir einen gesicherten Markt für unsere Milch. 44 Millionen  Kilogramm Milch wird um den Waginger See jährlich produziert, für diese Menge muss erst mal eine Vermarktung aufgebaut werden.“

Die Biobäuerin Gisela Sengl verspricht sich viel von einer Bioregion Waginger See und den neuen Richtlinien für die Agrarfördergelder.  Sie erhofft  sich dadurch mehr Ökobetriebe und mehr Artenvielfalt und natürlichen Lebensraum in der Region. „Greening heißt nicht gleich Stilllegung“ so Sengl, „das wird falsch dargestellt“. Die Grüne Landtagsdirektkandidatin für den Kreis Traunstein bedauert auch die geringe Wertschätzung für landwirtschaftliche Produkte. „Wenn ein Liter Sprudelwasser mehr kostet als ein Liter Milch, dann stimmt was nicht.“ Sie hob auch hervor, dass die Ausbildung der landwirtschaftlichen Mitarbeiter und eine gute Beratung im Landwirtschaftsamt für die Zukunft sehr wichtig seien.

Letztlich war man sich nicht ganz einig, ob durch die Umstellung auf biologische Landwirtschaft der Phosphateintrag wirklich reduzieren werden könne. Sengl und Helminger waren sich aber darin einig, dass man die vielen kleinen Maßnahmen auch umzusetzen solle, wie etwa bei der Gülleausbringung den Abstand zu Bächen zu vergrößern und das konsequent zu kontrollieren, die Möglichkeiten der Nährstoffbindung zu testen oder Schleppschlauch- oder Schlitzschlauchausbringung einzuführen. Einig war man sich auch darüber, dass der Dialog zwischen Landwirten und Politik sehr wichtig sei und daher fortgesetzt werden solle.

Die Landtagskandidatin der Grünen im Landkreis Traunstein, Gisela Sengl, und der Wonneberger BBV-Obmann Josef Helminger waren sich einig darüber, dass es sinnvoll sei, auch die vielen kleinen Maßnahmen umzusetzen, die derzeit für den Waginger See vorgeschlagen werden.

(11. September 2013)

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