zurück zur Themenseite Landwirtschaft & Ernährung

Maßnahmen gegen Phosphateintrag gefordert

Daxenberger: Mit der Landwirtschaft reden – Keine weiteren Tests

Aufgrund der Bodenverhältnisse rund um den Waginger See ist selbst fachgerecht ausgeübte Landwirtschaft hier ein Teil des Problems dahingehend, dass der See zuviel Phosphat aufzuweisen hat. „Wir müssen runter mit der Viehdichte, und Mais muss vor allem im Hangbereich zu Grünland umgewandelt werden“, forderte MdL Sepp Daxenberger auf einer Versammlung der Grünen im Hotel „Eichenhof“ in Waging. Darüber habe es schon vor Jahren einen Konsens gegeben, aber „da hat dann das Landwirtschaftsamt  kalte Füße gekriegt“. Deshalb lagere auch die damals erstellte Broschüre, die konkrete Handlungsvorschläge beinhaltet, seit rund zwei Jahren „im Landwirtschaftsamt im Keller“. 

Was Daxenberger jetzt besonders ärgert – und worüber auch der Waginger Bauausschuss in seiner letzten Sitzung etwas ungehalten war – ist die Tatsache, dass, obwohl die Fakten und auch die Konsequenzen längst bekannt seien, wieder ein neues Intereg-Programm aufgelegt werden soll. „Da wird dann wieder gemessen, und es wird wieder einen Berater geben, den ich schon letztes Mal nie gesehen habe.“ Daxenberger will wegen der Broschüre jetzt eine Anfrage im Landtag starten: „Lauter Doktoren haben da mitgearbeitet. Da muss ich mal anfragen, was das gekostet hat. Immerhin sind da auch EU-Mittel hineingeflossen.“ 

2. Bürgermeister Hans Kern hieb in die gleiche Kerbe. In dieser Broschüre von 2007 sei der Zustand des Waginger und Tachinger Sees beschrieben worden im Vergleich zu den österreichischen Seen und was sich daraus an Konsequenzen ergeben. „Die ist aber wohl ein bisserl unter Verschluss gehalten und nicht weitergegeben worden.“ Die Quintessenz der jetzt wieder begonnenen Initiative, besprochen auf einer nichtöffentlichen Versammlung in Petting, gehe wieder in Beratung, Untersuchung und Öffentlichkeitsarbeit: „Dabei war schon lang bekannt, wo die Probleme liegen und was zu tun gewesen wäre. Da waren wir vor drei Jahren schon weiter als jetzt.“ 

Laut Daxenberger ist das Hauptproblem am Waginger See ja keineswegs die Badewasserqualität, sondern der eindeutig zu hohe Phosphateintrag, der übermäßiges Algenwachstum mit sich bringe und dadurch zumindest optisch die Badewasserqualität beeinträchtige. Der hohe Phosphateintrag sei vor Jahren mit aufwändigen Programmen an allen Zuflüssen gemessen worden. Auch die Gemeinde Waging habe damals mitgeholfen. 

Der Tachinger See bekomme dagegen nur Bruchteile des Phosphateintrags. Das Verhältnis sieht, wie Heike Mayer informierte, in etwa so aus, dass der Tachinger See eine Tonne abbekommt, der Waginger See dagegen deutlich über zehn, Klar sei, so Daxenberger, dass nach all den vielen Maßnahmen die Abwasserentsorgung kein großes Problem mehr sei . Von daher sei sehr schnell klar: „Der Großteil kommt aus der Landschaft und der Landwirtschaft.“ 

Denn während im Einzugsgebiet des Tachinger Sees der Untergrund sehr sickerfähig sei, gebe es im Waginger Einzugsgebiet, das zudem viel größer sei, schwere, wasserundurchlässige Böden und sehr große Moorflächen, die sehr nährstoffreich sind. Bei Gülleausbringung und anschließendem starken Regen versickere nichts, sondern die Gülle laufe oberflächlich ab in nächsten Vorfluter oder Drainagen, in Taching sickere sie dagegen in  den Boden und werde dabei gefiltert. 

Wieder mehr umgeackert 

Durch die Verschlechterung des Kulap-Programm sei in den letzten Jahren  wieder mehr umgeackert und Mais angebaut worden. Hauptstoff dessen, was in den See geschwemmt werde, seien nach Daxenbergers Ansicht Humusteile aus dem Boden, die aus dem Moor und von Oberbodenabschwemmung kommen, gerade auch von Maisfeldern. 

Die aktuellen Vorschläge mit Gülleverregnung oder Schleppschlauchausbringung bringe für das Grundwasser gar nichts: „Das braucht man nicht mehr untersuchen, drum ärgert mich das!“. Man müsse sich jetzt mit den Bauern zusammensetzen, die sicherlich nach bestem Wissen und Gewissen arbeiteten: „Aber der Landwirt in Nirnharting verursacht bei gleicher Bewirtschaftung größere Probleme als der Bauer in Taching. Aber da traut man sich schlicht und ergreifend nicht drüber.“ Allerdings wäre es falsch, nur an die Landwirtschaft heranzugehen, denn es gebe auch noch andere Probleme. 

Nährstoffsenken bauen 

Das Problem der Abschwemmung der Oberflächenwasser bei starken Niederschlägen sei nicht unwesentlich auch der Wasserwirtschaft geschuldet, die in den letzten 50 Jahren durch Begradigungen und Ableitungen hier die Situation verschlimmert habe. Daher habe es von Waginger Seite auch schon früher den Vorschlag, Nährstoffsenken zu bauen, nicht direkt am See, sondern etwas mehr im Hinterland. Natürlich müssten den Bauern dafür Entschädigungen gezahlt werden, weil dann größere Bereiche länger unter Wasser stehen würden. Aber der Vorteil sei, dass sich Schwebstoffe, Nährstoffe und Humusteile hier in Ruhe ablagern könnten. 

Daxenberger habe vor Jahren dem Wasserwirtschaftsamt sogar auf einer Fläche bei ihm daheim angeboten, eine solche Nährstoffsenke zu bauen, um zu sehen, welchen Effekt das haben würde. Dieses Angebot sei aber nie ist aufgegriffen worden. In der jetzigen Situation sei Ehrlichkeit gefordert: „Nicht die Landwirtschaft ist schuld, aber man muss mit Landwirtschaft reden und man muss miteinander schauen, was man tun kann.“ Daher sei jetzt auch die Gemeinde Waging verärgert, weil wieder diskutiert werde, was schon vor zehn Jahren diskutiert worden sei. 

Man müsse jetzt konkret etwas tun, damit der See ab 2015 auch die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie erfüllt. Dazu müsse man aber auch Geld in die Hand nehmen. Geld sei bisher aber nur in Publikationen und Untersuchungen geflossen nach dem Motto: „Der Apparat füttert sich selbst.“ Allerdings sei wohl schon jetzt klar, dass bis 2015 die Werte nicht so sein würden, wie sie die Rahmenrichtlinie fordere. Was dann passiere, sei vor kurzem bei einer Anhörung im Landtag nachgefragt worden. Die Antwort habe gelautet: Dann müsse man überlegen, wie man weitermache. Hans Eder

(8. November 2009)

Felicitas Wendt in den Bezirkstag
Newsletter von Gisela Sengl
Kreisrundbrief
Mitglied werden
Spende ein Plakat
Grüne gegen Fremdenhass
Grünen-Kampagne gegen Hass