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Bestand vergrößern, Leistung steigern, Kosten reduzieren - von der BBV-Dreifaltigkeit hält Gisela Sengl überhaupt nichts.

Bestand vergrößern, Leistung steigern, Kosten reduzieren – von der BBV-Dreifaltigkeit hält unsere Landtagsabgeordnete Gisela Sengl überhaupt nichts.

Milchbauern nicht alleine lassen

CSU und Bauernverband haben Zeitpunkt zur Hilfe wieder mal verschlafen

Zum 1. April 2015 wird im Zuge der EU-Agrarreform die Milchquote endgültig abgeschafft. Sie war 1984 durch den EG-Ministerrat eingeführt worden, nachdem in der EG wegen jahrelanger Milchüberschüsse und fehlender Absatzmärkte hohe Lagerbestände an Milch und Butter entstanden waren. Ohne Quote sind die Milchbauern nun dem angebots- und nachfrageabhängigen (Welt)Marktgeschehen ausgesetzt. 

Doch auch die Quote konnte weder das Höfesterben aufhalten noch den Milchpreis stabilisieren. Angesichts dieser Tatsache wäre es Aufgabe von Politik und Vertretern des Berufstands, vorausschauend zu handeln und die Milchbauern nicht allein zu lassen. Doch CSU und Bauernverband haben den Zeitpunkt verschlafen:

Die steigende Nachfrage in der bayerischen Bevölkerung nach mehr regionalen und vor allem nach mehr Bio-Produkten wurde schlichtweg ignoriert. Inzwischen haben wir einen Selbstversorgungsgrad bei konventionell erzeugter Milch in Bayern von 178% , bei Bio-Milch aber nur von 68%! Der Markt für Biomilch liegt also vor der Haustür und der Erzeugerpreis ist entsprechend gut.

„Bayerische Bäuerinnen und Bauern müssen fit für den Weltmarkt werden – jetzt mit dem Wegfall der Quote erst recht“. Bestand vergrößern, Leistung steigern, Kosten reduzieren – das ist nach wie vor die heilige Dreifaltigkeit des Bauernverbandes. Angeblich kann nur so auf den Milchmarkt und die zukünftigen Preisschwankungen angemessen reagiert werden.

Für eine dauerhaft wettbewerbsfähige konventionelle Milcherzeugung zählen hohe Flächen- und Arbeitseffizienz zu den zentralen Erfolgsfaktoren. Anhand der kleinteiligen Betriebsstrukturen in Bayern sind sowohl die Verfügbarkeit von Flächen als auch die familieneigenen Arbeitskräfte begrenzende Faktoren. Viele langsam gewachsene Familienbetriebe in Bayern stoßen bei sogenannten ökonomisch notwendigen Wachstumsschritten an ihre Grenzen. Die kleinteilige, arbeitskraftintensive Milchproduktion in Bayern kann mit dem Weltmarkt, der dominiert wird von industriellen Agrarbetrieben in USA und Neuseeland auf keinem Fall mithalten, ja nicht einmal mit den Milchbetrieben im Norden und Osten Deutschlands.

Aber gerade diese bayerischen Bestandsgrößen würden eine gute Grundlage bilden, mit Öko-Milch die Existenz der bayerischen Milchbetriebe zu sichern. 

Bereits jetzt kommt mehr als die Hälfte der Öko-Milch Deutschlands aus Bayern.

Laut der Evaluation des Ökologischen Landbaus in Bayern ist durch die kleinteilige Verarbeitungsstruktur in Bayern der Milchauszahlungspreis im Schnitt stabiler und höher als im Rest von Deutschland.

Von den Einbrüchen in den konventionellen Exportmärkten scheint die Bio-Milch nicht betroffen. Die Gewinnrate und damit die Stabilität der Betriebe sind bei ökologischen Milchviehbetrieben deutlich höher als bei konventionellen Milchviehbetrieben, ebenso der Gewinn pro Arbeitskraft. Experten sehen einheitlich gute Wachstumschancen für Bio-Milch und Bio-Milchprodukte. Als größte Schwäche sehen sie die knappe Rohstoffversorgung! 

Öko-Milchwirtschaft und extensive Milchproduktion sind Alternativen zu einer industriellen, rein leistungsorientierten Milchproduktion, die kaum Rücksicht nimmt auf Mensch, Tier und Umwelt. Nur damit wird es auch in Zukunft Kühe auf der Wiese, auf der Alm- und Alpweide geben. 

Um unsere bayerischen Milchviehbetriebe erhalten zu können, muss sich ab sofort etwas ändern in der Ausbildung und Beratung. Denn ich bin mir sicher: Die Menschen wollen bayerische Bio-Milch und sind auch bereit, dafür einen anständigen Preis zu zahlen! Gisela Sengl 

(6. April 2015)

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