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Grüne wollen Radverkehr im Landkreis voranbringen

Toni Hofreiter informiert sich über Schwachstellen und Chancen

Ein klares Plädoyer für den Radverkehr hielt der grüne Bundestagsabgeordnete Dr.Anton Hofreiter bei einer Veranstaltung der Traunreuter Grünen vergangenen Freitag in der TuS-Gaststätte. Zuvor hatte sich der verkehrspolitische Sprecher mit seinem Mitarbeiter Dr.Volker Leib mit einigen Mitradlern auf einer Radtour von Traunstein nach Traunreut und durch das Stadtgebiet über das Radwegenetz im Landkreis informiert.

Stadt- und Kreisrat Martin Czepan ließ zu Beginn der Veranstaltung die Brennpunkte der Radtour Revue passieren. Bereits in Traunstein sei es zu gefährlichen Situationen gekommen, als der schmale Radstreifen wieder auf die stark befahrene B304 mündete. Bei der Querung der im Bau befindlichen Nordumfahrung von Traunstein waren die Teilnehmer sichtlich schockiert von den massiven Eingriffen in die Natur. Beim Traun-Alz-Weg gab es Licht und Schatten. Schön gelegene und gut ausgebaute Abschnitte wechselten mit Schlaglochpisten ab. Als sehr gefährlich wurde die Ortsdurchfahrt in Traunwalchen mit engen Gefällstrecken, ungesicherten Übergängen und der unübersichtlichen Unterführung eingestuft. 

Auf den meist engen und unübersichtlichen Rad-Fuß-Wegen in Traunreut war aufgrund der Fußgänger und der vielen kreuzenden Straßen und Ausfahrten hohe Konzentration gefordert, damit alle Teilnehmer wohlbehalten das Ziel erreichten.

In seinem Resümee stellte Martin Czepan fest, dass im Landkreis in den letzten Jahren zwar viele Radwege gebaut worden seien, aber häufig am Bedarf vorbei. Zentrale Strecken seien in einem kümmerlichen Zustand, der Alltagsradlern und Touristen die Lust am Radeln verleide. In Ost-West-Richtung gebe es zudem große Lücken, wie z.B. von Matzing zum Chiemsee oder von Traunreut zum Waginger See. In Traunreut seien meist ungeeignete Fußwege per Schild zu Radwegen deklariert worden. Besser geeignet für Radfahrer seien jedoch die vielen verkehrsberuhigten Nebenstraßen. Sehr zu wünschen übrig ließen auch die öffentlichen und privaten Abstellanlagen. Nach einer Umfrage des Fahrradklubs ADFC würden 37 Prozent der Deutschen das Fahrrad gerne häufiger benutzen, fühlten sich jedoch auf der Straße und Radwegen nicht sicher.

Bequem, angenehm und sicher – auch für weniger Geübte – müsse das Radfahren sein, sagte Toni Hofreiter. Wo es eine gute Infrastruktur gebe, erhöhe sich der Anteil automatisch. Spitzenreiter in Europa mit einem Radverkehrsanteil von 55 Prozent sei Kopenhagen. In Deutschland liege Münster mit gut 40 Prozent auf Rang 1. Viele Kommunen lägen aber unter 10 Prozent. Hier könne mit wenig Aufwand viel für die Verbesserung der gesamten Verkehrssituation getan werden. Maßnahmen für den Autoverkehr und den ÖPNV seien deutlich teurer. Radfahren verursache keine Abgase, keinen Lärm, benötige wenig Fläche und sei für die Nutzer gesund und kostengünstig.

Wichtig sei jedoch, dass die Planung von qualifizierten Fachleuten erfolge. Der ADFC spreche sich in Städten eher für verkehrsberuhigte Zone statt für separate Radwege aus, da die vielen Kreuzungspunkte ein hohes Unfallrisiko seien. Generell sollte den Radfahrern Vorrang eingeräumt werden, da das Abbremsen und Beschleunigen für diese mühsamer sei, als wie für Autofahrer. 

In der anschließen Diskussion, welche die Kreisvorsitzende Sabine Ponath moderierte, wies Achim Kraus auf das Chaos bei den Wegweisern hin. Hier gebe es bundesweit einen Standard, der aber in Bayern nicht verbindlich sei, so dass auf einem Radweg alle paar Kilometer die Schilder wechselten.

Martin Czepan wollte von Dr. Hofreiter wissen, wer bei Unfällen hafte, wenn der Fuß-Rad-Weg nicht die Mindestbreite von 2,50 m aufweise. Laut Hofreiter hafte die Kommune, weshalb viele Kommunen die Radwegschilder wieder demontiert hätten.

Mona Baltin wies auf die fehlenden und nicht ausreichenden Gehsteige und Überquerungshilfen bei den Ortsdurchfahrten in Oderberg und Traunwalchen hin. Sabine Ponath erklärte sich bereits, Hinweise auf mangelhafte Radwege entgegenzunehmen und diese an die zuständigen Kommunen weiterzuleiten. Martin Czepan

(21. September 2010)

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