41 Jahre Grünes Mitglied: Laudatio auf Lisa Rehmann-Zauner

Gisela Sengl - 20 Jahre Grüne Trostberg - Laudatio Lisa Rehmann-Zauner

Gisela Sengl, die Landesvorsitzende der Grünen Bayern, hat im Rahmen unserer 20-Jahres-Feier Lisa Rehmann-Zauners Engagement gewürdigt:

Laudatio auf Lisa Rehmann-Zauner

20 Jahre Grüne in Trostberg – 30. Oktober 2026
Laudatorin: Gisela Sengl

Liebe Lisa, liebe Freundinnen und Freunde,
heute ehren wir Menschen, die seit mehr als 20 Jahren bei den Grünen sind.
Und bei Lisa müssen wir da schon ein bisschen weiter zurückschauen.

Lisa ist nämlich seit dem 1. Januar 1985 Mitglied bei den Grünen!
Über 41 Jahre!

Da waren manche unserer heutigen Mitglieder noch gar nicht geboren. Und die Grünen selbst waren noch eine ziemlich junge Partei.
Liebe Lisa, du gehörst also gewissermaßen zum grünen Urgestein.

Wobei – wenn ich dich so anschaue, passt das Wort „Urgestein“ eigentlich überhaupt nicht. Dafür bist du viel zu lebendig, zu engagiert und immer noch viel zu neugierig auf das, was sich in unserer Gesellschaft verändern lässt.

Deine politischen Wurzeln liegen in der Friedensbewegung und im Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf.
Das war eine Zeit, in der politisches Engagement oft bedeutete, gegen erhebliche Widerstände anzukämpfen.
Und wer damals dabei war, hat früh gelernt:

Wenn einem etwas wichtig ist, dann muss man auch bereit sein, dafür aufzustehen.

Diese Haltung zieht sich durch dein ganzes Leben.
Als Hebamme hast du dich über Jahrzehnte für Frauen, ihre Gesundheit und ihre Selbstbestimmung eingesetzt.
Und du weißt vermutlich besser als die meisten von uns, dass man für Veränderungen manchmal sehr viel Geduld braucht.
Wobei Geduld für eine Hebamme ja ohnehin zur Grundausstattung gehört.
Aber eben nicht nur Geduld, sondern auch Entschlossenheit, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment zu handeln.

Das hast du 2006 eindrucksvoll bewiesen.

Damals hast du dich mit aller Kraft für den Erhalt des Trostberger Kreißsaals eingesetzt.
Du hast Unterschriften gesammelt, Gespräche mit verschiedenen Parteien geführt und versucht, möglichst viele Menschen für dieses Anliegen zu gewinnen.
Leider konntest du die Schließung nicht verhindern.

Aber ich finde, gerade solche Geschichten gehören zu einer ehrlichen Würdigung politischen Engagements dazu.
Denn nicht jeder Kampf, den man führt, wird gewonnen.
Und trotzdem kann es richtig und wichtig sein, ihn zu führen.

Ein besonderer Höhepunkt war damals sicherlich der Besuch von Claudia Roth in deiner Hebammenpraxis.
Ich stelle mir das wunderbar vor: Claudia Roth, Lisa Rehmann-Zauner und jede Menge Leidenschaft für Frauenrechte und eine gute Gesundheitsversorgung.
a dürfte es jedenfalls nicht an klaren Worten gefehlt haben!

Liebe Lisa,
du hast dein Wissen aber nicht nur in der täglichen Arbeit als Hebamme eingesetzt, sondern auch an die nächste Generation weitergegeben.
Bis zu diesem Sommer warst du noch als Dozentin in der akademischen Hebammenausbildung in München tätig.
Auch das zeichnet dich aus: Erfahrungen sammeln ist das eine. Aber sie weiterzugeben und andere zu befähigen, ist mindestens genauso wertvoll.

Und deine Themen reichen weit über die Geburtshilfe hinaus.
Dir geht es um gesellschaftliche Gerechtigkeit, um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, um die gerechte Verteilung von Sorgearbeit und um das Engagement gegen Rechtsextremismus.

Kurz gesagt: Du mischst dich ein, wenn du findest, dass etwas nicht richtig läuft.

Und ich habe den Eindruck, dass du damit auch nicht so schnell aufhören wirst.
Besonders schön finde ich, dass du inzwischen auch kommunalpolitisch noch einmal richtig durchgestartet bist.
Anfang der 2000er-Jahre hast du schon einmal für den Kreistag kandidiert.
Und jetzt, 2026, hast du es mit einem ausgezeichneten Ergebnis geschafft!
Seit diesem Jahr bist du Kreisrätin und außerdem Mitglied im Aufsichtsrat der Kliniken Südostbayern.
Gerade dort kannst du deine jahrzehntelange Erfahrung im Gesundheitswesen einbringen.
Ich finde, das passt hervorragend.

Und offensichtlich war dir das noch nicht genug: In Trostberg bist du inzwischen auch in deiner zweiten Amtszeit als Ortssprecherin aktiv.
Andere denken irgendwann über den wohlverdienten Ruhestand nach.
Lisa denkt sich offenbar: Ach, ein Kreistagsmandat und ein Aufsichtsratsposten gehen schon noch!

Politisches Engagement hat bei dir auch eine lange Familiengeschichte.

Deine Mutter, die Schriftstellerin Ruth Rehmann, war selbst eine politisch engagierte Frau. Sie gehörte zu den Mitgründerinnen der Trostberger Grünen und kandidierte bereits Anfang der Achtzigerjahre für den Bundestag.

Man könnte also sagen: Der Wunsch, sich einzumischen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, hat bei euch eine gewisse Familientradition.
Aber du hast daraus längst deinen ganz eigenen Weg gemacht.
Und der führte dich nicht nur durch die bayerische Kommunalpolitik, sondern sogar bis nach Nicaragua.
Mit Christoph Loster, mit dem dich eine langjährige Freundschaft verbindet, warst du dort gemeinsam humanitär engagiert.
Und diese Freundschaft lebt bis heute weiter – unter anderem durch deine Mitarbeit im Organisationsteam der Filmtage des Trostberger Stadtkinos.
Auch das finde ich bemerkenswert.

Denn gesellschaftliches Engagement besteht eben nicht nur aus Parteiversammlungen, Anträgen und Wahlkämpfen.
Es lebt auch von Kultur, Begegnungen, Freundschaften und dem Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Liebe Lisa,
wenn ich all diese Stationen zusammennehme, dann sehe ich vor allem eines:

Einen Menschen, der nicht nur darüber redet, was sich ändern müsste, sondern selbst Verantwortung übernimmt.

Einen Menschen, der sich seit mehr als vier Jahrzehnten engagiert, ohne sich von Rückschlägen entmutigen zu lassen.
Und einen Menschen, der sich seine Neugier, seinen Gestaltungswillen und seine Freude am gemeinsamen Tun bewahrt hat.
Dafür möchte ich dir heute ganz herzlich danken.
Für 41 Jahre Mitgliedschaft bei den Grünen.
Für dein Engagement für Frauen und Familien.
Für deinen Einsatz für eine gute Gesundheitsversorgung.
Für deine Arbeit in Trostberg und im Landkreis.
Und vor allem dafür, dass du mit deiner Persönlichkeit diesen Ortsverband und unsere Gemeinschaft bereicherst.

Liebe Lisa, schön, dass es dich gibt!

Und eines möchte ich dir zum Schluss noch mitgeben:
Du hast in deinem Leben schon so viele Menschen auf ihrem Weg ins Leben begleitet.
Jetzt begleitest du auch noch unsere Kommunalpolitik ein gutes Stück weiter.
Ich wünsche dir dafür viel Erfolg, starke Nerven und weiterhin so viel Energie.
Und vielleicht findest du zwischendurch ja auch einmal Zeit für etwas anderes als Politik!

Herzlichen Glückwunsch und ein großes Dankeschön, liebe Lisa!

Auch wir danken Gisela für ihre Würdigung – und wir sind stolz darüber, Lisa als Ortssprecherin haben zu dürfen.