Auf Einladung des Ortsverbands Traunreut informierte Adrian Hausner aus Altenmarkt am 20. April im k1-Studio, wie die Wärmewende in einer Kommune gelingen kann.
Stadtrat Martin Czepan konnte 25 Gäste begrüßen, darunter einige Stadt- und Gemeinderäte der Grünen, sowie den 1. Bürgermeister aus Bergen. In einem kurzen Rückblick ging Czepan auf die bisherige Entwicklung in Traunreut ein. Die Wärmewende sei in Traunreut vor allem durch die Industrie und private Investoren voran getrieben worden. Durch den Bau des Biomasseheizwerks bei der BSH in 1999 konnte das bestehende Fernwärmenetz Nordost mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Das in 2004 gebaute Biomasseheizkraftwerk ermöglichte dann die Erschließung der Kernstadt mit der umweltfreundlichen Wärme. Das ausgebaute Wärmenetz war dann der Grund für die Grünwald Equity in das Geothermie-Kraftwerk zu investieren, welches seit 2014 in das Netz einspeist. Mit der Übernahme durch die Fa. Heidenhain im Jahr 2024 bestünde nun die Chance, mit einer zweiten Geothermie-Anlage genügend Kapazität zu schaffen, um die gesamte Kernstadt und alle Gewerbebetriebe krisensicher und klimaschonend mit Wärme zu versorgen.
Adrian Hausner, welcher für das Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV) in Rosenheim bereits 20 Wärmeplanungen erfolgreich abschließen konnte, ging zunächst auf die Gründe ein, warum eine schnelle Wärmewende wichtig sei und die Kommunen hierbei eine entscheidende Rolle spielten. Der erste Schritt, die Wärmeplanung, müsse laut Gesetz für alle Kommunen bis Mitte 2028 abgeschlossen sein.
Laut einer Übersichtskarte haben im Landkreis Traunstein etwa ein Drittel aller Kommunen, darunter auch Traunreut, mit der Wärmeplanung noch nicht einmal begonnen. In der Wärmeplanung würde zunächst die bestehende Versorgungsstruktur erfasst, dann die möglichen Potenziale an Einsparung, erneuerbaren Energien und an Abwärme. Aus diesen Daten würden Zielszenarien für die Wärmewende abgeleitet: Welche Gebiete eignen sich für ein Wärmenetz, welche Gebäude müssten dezentral versorgt werden, wo bestünde noch Klärungsbedarf und wo käme Wasserstoff zum Einsatz.
Letzteres Szenario sei aber aus Verfügbarkeits- und Kostengründen äußerst unwahrscheinlich. Die wichtigste Kenngröße sei hierbei die Wärmeliniendichte, d.h. wie viel Wärme je Meter Wärmeleitung abgenommen wird. Als wirtschaftliche Grenze wird ein Bereich um die 1200 Kilowattstunden (kWh) je Meter und Jahr angesehen. Bei einem Wohngebiet mit Einfamilienhäusern, welche jeweils 20.000 kWh pro Jahr benötigen, und einer Hausanschlusslänge von 5 Metern, dürften die Häuser in einer Straße maximal 30 Meter voneinander entfernt stehen. Anhand von Standardwerten könne für unterschiedliche Wärmeerzeuger dann ein ungefährer Wärmepreis für die Abnehmer ermittelt werden.
Weitere Schritte seien dann die Machbarkeitsstudie oder der Transformationsplan für bestehende Wärmenetze. Komme kein zentrales Wärmenetz in Betracht, werde in einem Quartierskonzept geprüft, welche zukunftsfähigen Lösungen für Strom, Wärme und Mobilität möglich seien. Auch Maßnahmen zur Klimaanpassung und soziale Aspekte würden berücksichtigt. Für die Akzeptanz einer Wärmeplanung sei es unerlässlich, dass alle Akteure, insbesondere die Bürger einbezogen würden.
Anschließend ging Adrian Hausner auf die Fördermöglichkeiten ein, die je nach Detailplanung und Kommune 50 bis 90 Prozent der Planungskosten betragen würden. „Wir müssen zukünftig die Energie viel intelligenter nutzen wie bisher“, betonte der Referent. Damit ließen sich viele teure Investitionen vermeiden und die Versorgungssicherheit erhöhen. Ein ganzheitlicher Ansatz sei hierfür die Energiesystemplanung, bei der alle Energiesektoren miteinander verknüpft würden und alle Energieerzeuger und -verbraucher über ein Steuerungssystem optimal aufeinander abgestimmt würden.
In der anschließenden Diskussion gab es viele Fragen zu beantworten. So wollte ein Teilnehmer wissen, ob er mit der Installation eines Gebäudenetzes bis zum Abschluss der Wärmeplanung warten müsse. Dies sei nicht der Fall, sagte Adrian Hausner und bei bestehenden Gebäuden gäbe es auch keinen Anschlusszwang. Martin Czepan konnte ein Beispiel aus Stuttgart nennen, wo sich 40 Hauseigentümer in zwei Straßen privat zusammengeschlossen hätten und ihre Häuser über vier Wärmepumpen gemeinsam versorgen würden. Gefragt wurde auch, ob für weitere Biomasseheizungen noch genügend Holz zur Verfügung stünde. Dies sei von Region zu Region sehr unterschiedlich, entgegnete Adrian Hausner. Es gäbe aber in jedem Ort noch Wärmequellen, welche bisher kaum erschlossen seien, ergänzte Martin Czepan. So stecke im Abwasser ein beträchtliches Abwärmepotenzial, welches dauerhaft verfügbar sei und zudem eine konstante Temperatur aufweise. Heftig diskutiert wurde auch die Frage, ob sich die Restwärme des Geothermiekraftwerks noch nutzen ließe, was aber von den anwesenden Experten verneint wurde.
